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Marcel Reich-Ranicki
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Marcel Reich-Ranicki [] (geboren am 2. Juni 1920 als Marceli Reich in WĹocĹawek, Polen; gestorben am 18. September 2013 in Frankfurt am Main) war ein deutsch-polnischer Autor und Publizist. Er gilt als einflussreichster deutschsprachiger Literaturkritiker seiner Zeit.
Reich-Ranicki war Ăberlebender des Warschauer Ghettos. 1958 siedelte er in die Bundesrepublik Deutschland Ăźber, wo er als Literaturkritiker zuerst bei der Wochenzeitung Die Zeit, dann bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung arbeitete. Er war ein maĂgeblicher Kritiker in der Gruppe 47, Sprecher der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises und Initiator der Literatursendung Das Literarische Quartett, die er von 1988 bis 2001 moderierte. Durch legendäre Fernsehauftritte wurde der in der Ăffentlichkeit als âLiteraturpapstâ bekannte Reich-Ranicki zudem ein Medienstar. Seine Memoiren Mein Leben (1999, Verfilmung 2009) erhĂśhten seine Popularität noch weiter; das Buch stand auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 11. Oktober 1999 bis zum 15. Oktober 2000.
Reich-Ranicki war verheiratet mit Teofila Reich-Ranicki und Vater des gemeinsamen Sohnes Andrew Ranicki.
Contents
⢠Leben
⢠WĹocĹawek
⢠Berlin
⢠Nachkriegszeit
⢠Tod
⢠Literaturkritik
⢠Positionen
⢠Schaffen
⢠Autobiographie
⢠Als Herausgeber
⢠HÜrbßcher
⢠Fernsehreihen
⢠Nachlass
⢠Filmografie
⢠Literatur
⢠Biografie
⢠Lebensabschnitte
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
WĹocĹawek
Marcel Reich wurde als drittes Kind des Fabrikbesitzers David Reich und dessen Frau Helene, geb. Auerbach, geboren. Er wuchs in einer assimilierten jĂźdischen deutsch-polnischen Mittelstandsfamilie auf. Seine älteren Geschwister waren Alexander Herbert Reich (1911â1943) und Gerda Reich (1907â2006). Die Mutter war in Deutschland aufgewachsen und kam sich in der polnischen Provinz Kujawiens verloren vor. Ihre groĂe Sehnsucht war eine RĂźckkehr nach Berlin. Reich-Ranicki beschreibt sie als sehr liebevoll und zugleich âweltfremdâ. Ihr Vater war der Rabbiner Menachem Mannheim Auerbach (1848â1937) aus Lezno (Lissa), der in Berlin-Wilmersdorf lebte, im Alter erblindet und von seinen SĂśhnen finanziell unterstĂźtzt.cite-ref-uw-1-0[1]cite-ref-2[2] Reich-Ranickis Vater besaĂ eine kleine Fabrik fĂźr Baumaterialien. Er war aber im Kaufmannsberuf unglĂźcklich und âvollkommen ungeeignetâ. 1929 musste der Vater Insolvenz anmelden. Marcel Reich durfte als einziger seiner Geschwister die deutsche Schule von WĹocĹawek (Leslau) besuchen.
Berlin
Um ihm seine berufliche Zukunft nach dem geschäftlichen Ruin seines Vaters offenzuhalten, schickten ihn die Eltern zu wohlhabenden Verwandten nach Berlin, darunter dem Patentanwalt Max Auerbach (1890â1943) und einem Zahnarzt. Ab 1929 lebte Marcel zunächst in Berlin-Charlottenburg, von 1934 bis 1938 mit seinen Eltern und Geschwistern im Bayerischen Viertel zwischen Berlin-SchĂśneberg und Berlin-Wilmersdorf, in der Wohnung des GroĂvaters mĂźtterlicherseits, der 1937 starb:cite-ref-uw-1-1[1] GĂźntzelstraĂe 53,cite-ref-3[3] im dritten Stock mit Balkon.cite-ref-4[4] Dort besuchte er das Werner-Siemens-Realgymnasium, nach dessen AuflĂśsung 1935 das Fichte-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf.
Während seine Schulkameraden an SchulausflĂźgen, Sportfesten und nationalsozialistischen Schulversammlungen teilnahmen, war er davon ausgeschlossen. Stattdessen vertiefte er sich in die LektĂźre der deutschen Klassiker und besuchte Theater, Konzerte und Opern. Besonders die AuffĂźhrungen Wilhelm Furtwänglers und Gustaf GrĂźndgensâ waren ihm Trost und Halt in einer zunehmend restriktiver werdenden Umwelt. Als ihm bekannt wurde, dass sich Thomas Mann von der NS-Herrschaft Ăśffentlich distanziert hatte, wurde dieser nicht nur in literarischer, sondern auch in moralischer Hinsicht sein Vorbild. Trotz vieler nationalsozialistisch orientierter Lehrer galt am Fichte-Gymnasium noch einige Zeit das Gebot der Gleichbehandlung der jĂźdischen SchĂźler; so konnte er 1938 noch sein Abitur machen. Sein Antrag auf Immatrikulation an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin wurde am 23. April 1938 wegen seiner jĂźdischen Abstammung abgelehnt.
Warschau, Ghetto, Untergrund
Ende Oktober 1938 wurde er nach kurzer Abschiebehaft in der âPolenaktionâ zusammen mit etwa 17.000 polnischen und staatenlosen jĂźdischen Menschen nach Polen ausgewiesen. Er fuhr mit der Bahn nach Warschau, wo er niemanden kannte. Er musste die polnische Sprache neu erlernen und blieb ein Jahr arbeitslos. Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Ăberfall auf Polen der Zweite Weltkrieg, der seine Arbeitssuche abrupt beendete. Seine spätere Frau Teofila (Tosia) Langnas (12. März 1920 â 29. April 2011) lernte er durch eine TragĂśdie kennen: Ihre Eltern wurden durch die deutsche Besatzungsmacht aus ĹĂłdĹş vertrieben und enteignet, woraufhin ihr Vater PaweĹ Langnas am 21. Januar 1940 in Warschau Suizid beging.cite-ref-5[5] Reich-Ranickis Mutter, die im selben Haus wohnte, erfuhr von dem UnglĂźck und schickte ihren Sohn dorthin, damit er sich um die Tochter kĂźmmere.
Im November 1940 wurde auch Reich-Ranicki zur Umsiedlung ins Warschauer Ghetto gezwungen. Er arbeitete bei dem von der BesatzungsbehĂśrde eingesetzten Ăltestenrat (âJudenratâ) als Ăbersetzer und schrieb unter dem Autoren-Pseudonym Wiktor Hart Konzertrezensionen in der zweimal wĂśchentlich erscheinenden Ghettozeitung Gazeta Ĺťydowska (Polnisch fĂźr JĂźdische Zeitung). Gleichzeitig war er Mitarbeiter im Ghetto-Untergrundarchiv des Emanuel Ringelblum. In dieser Zeit von Agonie und allgegenwärtigem Sterben machte er sich ĂberlebensmaĂnahmen zu (später lebenslang beibehaltenen) Gewohnheiten; so pflegte er seitdem zum Beispiel, in Gaststätten immer mit Blickrichtung auf den Eingang zu sitzen oder durch eine zweite Rasur am Nachmittag die Gefahr negativen Auffallens zu verringern.
Am 22. Juli 1942 erschien SS-SturmbannfĂźhrer Hermann HĂśfle im Hauptgebäude des âJudenratsâ, um die âUmsiedlungâ des Ghettos anzuordnen, die am selben Tag beginnen sollte. Zur Niederschrift der Bekanntgabe wurde Reich-Ranicki herangezogen. Von der Deportation â der Verbringung der Ghettobewohner ins Vernichtungslager Treblinka, wie sich herausstellen sollte â vorerst ausgenommen waren u. a. Beschäftigte des âJudenratsâ und ihre Ehefrauen. Zum Schutze seiner Lebensgefährtin Teofila Langnas arrangierte Reich-Ranicki daher die EheschlieĂung mit ihr noch am selben Tag durch einen im selben Haus beschäftigten Theologen, der berechtigt war, die Pflichten eines Rabbiners auszuĂźben.cite-ref-rede2012i-6-0[6]
Der Deportation im Januar 1943 entkam das Ehepaar, indem es auf dem Weg zum Versammlungsplatz floh. Es lebte fortan versteckt. In dieser Zeit unterstĂźtzte Reich-Ranicki zusammen mit seiner Frau die JĂźdische Kampforganisation (polnisch: Ĺťydowska Organizacja Bojowa, kurz: ĹťOB) bei der Beschaffung einer grĂśĂeren Geldsumme aus der Kasse des âJudenratesâ. Als Anerkennung bekamen sie einen kleinen Teil des Geldes; dieser sollte ihnen die Flucht aus dem Ghetto durch Bestechung der Grenzposten ermĂśglichen,cite-ref-7[7] was am 3. Februar 1943 gelang. Sie fanden nach kurzen Zwischenverstecken fĂźr sechzehn Monate einen Unterschlupf bei der Familie des arbeitslosen Schriftsetzers Bolek Gawin und seiner Ehefrau Genia, wo sie bis September 1944 nach der deutschen Niederschlagung des Warschauer Aufstands und der Besetzung des rechten Weichselufers durch die Rote Armee ausharrten. Durch seine dramatische Nacherzählung von bedeutenden Romanen der deutschen und europäischen Literatur konnte sich Reich-Ranicki des unbeständigen, stets gefährdeten Mitleids seiner Helfer immer wieder aufs Neue versichern. Je besser er erzählte, desto hĂśher waren auch seine Ăberlebenschancen. Das Um-sein-Leben-Erzählencite-ref-j-hner-8-0[8] wurde auch von ihm selbstcite-ref-9[9] als Scheherazade-Motiv bezeichnet. Den beiden Kindern der Familie Gawin halfen sie bei den Schularbeiten und den Eltern beim illegalen Herstellen von Zigaretten. Nach der Befreiung Polens von der NS-Herrschaft bat Gawin die beiden Ăberlebenden, nirgends zu erwähnen, dass sie mit seiner Hilfe die Besetzung Polens durch die Nazi-Truppen Ăźberlebt hatten, weil sich ihr Lebensretter wegen des in Polen verbreiteten Antisemitismus davor fĂźrchtete, mit seiner Rettung von Juden ins Gerede zu kommen. Nach dem Krieg bedankten sich die Reich-Ranickis auch mit einer finanziellen VergĂźtung bei den Gawins. Bis zuletzt Ăźberwies das Ehepaar der Tochter Gawins hin und wieder etwas Geld.cite-ref-10[10] Das Paar konnte auch eine Mappe mit Zeichnungen von Tosia Reich-Ranicki herausschmuggeln, die erst 1999 verĂśffentlicht wurden. Die Motive stammten aus dem Alltag des Ghettos und zeigten unter anderem bis auf die Knochen abgemagerte Kinder und prĂźgelnde Nationalsozialisten.cite-ref-11[11] Die Gedenkstätte Yad Vashem verlieh der Familie Gawin, die von 1943 bis 1944 das Ehepaar Reich-Ranicki bei sich versteckt hatte, auf Gerhard Gnaucks Antrag 2006 die Auszeichnung âGerechter unter den VĂślkernâ.
Schicksal der Eltern und Geschwister
Reich-Ranickis Eltern, Helene und David Reich, wurden in den Gaskammern von Treblinka ermordet. Sein Bruder Alexander Herbert Reich wurde am 4. November 1943 im Kriegsgefangenen- und Arbeitslager Poniatowa bei Lublin erschossen. Seiner Schwester Gerda war es mit ihrem Mann Gerhard BĂśhm bereits 1939 gelungen, nach London zu fliehen, wo sie 2006 im Alter von 99 Jahren starb.
Nachkriegszeit
Ende 1944 begann Reich-Ranicki bei der polnischen kommunistischen Geheimpolizei UB (UrzÄ
d BezpieczeĹstwa) zu arbeiten, kurz nach der Befreiung der Stadt Anfang 1945 in Kattowitz, wo er die Zensur organisierte,cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] und danach als Einsatzleiter, im Range eines Hauptmanns, fĂźr den polnischen Auslandsnachrichtendienst (MBP) bei der gegen GroĂbritannien gerichteten Spionage. Zeitweilig war er sogar stellvertretender Leiter der II., der operativen Abteilung des Geheimdienstes, zu deren Einsatzbereich auĂer GroĂbritannien auch Deutschland und die USA gehĂśrten. 1948 wurde er Vize-Konsul und nahm den Namen âMarceli Ranickiâ an, da sein Familienname âReichâ zu sehr an die Deutschen erinnerte. Er gab an, zu dieser Zeit ein Mädchen namens Ranicka gekannt zu haben. Er wurde als Resident an die polnische Botschaft in London entsandt, wo er als AgentenfĂźhrer eingesetzt und persĂśnlich fĂźr die Angelegenheiten der Exilpolen zuständig war; in London hatte zu der Zeit auch die demokratisch gewählte polnische Exilregierung ihren Sitz, die allerdings nur noch eine geringe internationale Anerkennung erfuhr. Unter seiner Leitung wurde eine Kartei mit Informationen Ăźber mehr als 2000 polnische Emigranten gefĂźhrt.cite-ref-welt-405957-15-0[15] Gleichwohl galt Reich-Ranicki bei seinen Kollegen als âIntelligenzlerâ, mitunter auch als arrogant, und stieĂ auf entsprechend viele Vorbehalte â schlieĂlich hatte Reich-Ranicki in London eigenmächtig seinem Schwager ein Visum ausgestellt, ohne seine Vorgesetzten um Erlaubnis zu fragen. Sein Sohn Andrzej Alexander wurde am 30. Dezember 1948 geboren. Ende 1949 wurde er aus London abberufen und kehrte nach Warschau zurĂźck. Trotz seiner Verdienste in der Geheimpolizei â er erhielt unter anderem zwei hohe zivile Orden, 1946 und 1948 die âMedaille des Sieges und der Freiheitâcite-ref-16[16] â endete seine Karriere abrupt. Der Geheimdienst und das AuĂenministerium entlieĂen ihn Anfang 1950. Wegen âideologischer Entfremdungâ schloss ihn die kommunistische Polnische Vereinigte Arbeiterpartei aus. Einige Wochen verbrachte er in Einzelhaft im Gefängnis, auch im Rahmen der ostblockweiten stalinistischen Aktion gegen âwurzellose Kosmopolitenâ und âzionistische Spionageâ, die unter Jakub Berman in Polen nur sehr eingeschränkt durchgefĂźhrt wurde.cite-ref-17[17]
Aus dem Gefängnis entlassen, wandte er sich der Literatur zu und wurde Lektor fĂźr deutsche Literatur in einem groĂen Warschauer Verlag. Schon ab Ende 1951 begann er, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Doch Anfang 1953 erteilten ihm die polnischen BehĂśrden ein Publikationsverbot, das bis Ende 1954 in Kraft blieb. Er wurde 1955 Mitarbeiter des polnischen staatlichen Rundfunks, bei dem auch seine Frau arbeitete, und publizierte in Zeitungen, auch beim Zentralorgan der Kommunistischen Partei Trybuna Ludu.
Seinem Antrag auf Rehabilitation innerhalb der kommunistischen Partei wurde 1957 stattgegeben, wie der Journalist der deutschen Tageszeitung Die Welt, Gerhard Gnauck, nach Einsicht in die Personalakten des polnischen Ministeriums fĂźr Ăśffentliche Sicherheit (MBP) angab. Reich-Ranicki behauptete jedoch, das entsprechende Schreiben nie erhalten zu haben.cite-ref-welt-405957-15-1[15]
Der Journalist Tilman Jens, ein Sohn des mit Reich-Ranicki jahrzehntelang befreundeten Philologen Walter Jens, deckte Reich-Ranickis geheimdienstliche Tätigkeit auf und beschuldigte ihn am 29. Mai 1994 in der WDR-Sendung Kulturweltspiegel, während seiner Tätigkeit fĂźr den polnischen kommunistischen Geheimdienst regimekritische Exilpolen unter falschen Vorwänden âin ihre Heimat zurĂźckgelocktâ zu haben.cite-ref-epd-18-0[18] Einige dieser Emigranten seien daraufhin vom polnischen Regime zum Tode verurteilt worden.cite-ref-anz-19-0[19] In seinen Repliken, die er in seiner Biografie abschlieĂend ausfĂźhrte, widersprach Reich-Ranicki den âvĂśllig erlogenenâ Unterstellungen der Beihilfe zum Mord. Sein weitgehendes Schweigen Ăźber seine geheimdienstliche Tätigkeit sei auf eine Schweigeverpflichtung zurĂźckzufĂźhren, bei deren Bruch ihm âschärfsteâ Konsequenzen angedroht worden waren. Er hielt seine âArbeit fĂźr den Geheimdienst fĂźr belanglos und ĂźberflĂźssigâ,cite-ref-anz-19-1[19] doch habe er dies wegen der privilegierten und interessanten Lebensverhältnisse in Kauf genommen. Auch der Historiker Andrzej Paczkowski widersprach Jens; es gebe keine Belege dafĂźr, âdass Reich während seiner Londoner Zeit daran mitgewirkt hat, Exilpolen in eine Falle zu lockenâ.cite-ref-epd-18-1[18] Gemäà der Recherche Gnaucks sei Reich-Ranicki einem eigenen, in seiner Personalakte abgelegten Bericht zufolge durchaus mit der RĂźckfĂźhrung von Emigranten im Detail befasst gewesen.
Bundesrepublik Deutschland
Nachdem fĂźr ihn in der Schweiz weder eine Arbeits- noch eine Niederlassungsbewilligung zu bekommen war,cite-ref-20[20] blieb Reich-Ranicki nach einer Studienfahrt in die Bundesrepublik Deutschland am 21. Juli 1958 in Frankfurt am Main. Seine Frau war zuvor mit dem Sohn Andrzej in den Urlaub nach London gefahren, um eine Ausreise der gesamten Familie in bĂźrokratischer Hinsicht zu erleichtern.cite-ref-21[21] Ab August 1958 arbeitete Reich-Ranicki als Literaturkritiker im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Der Feuilletonchef der FAZ, Hans Schwab-Felisch, schlug ihm vor, den Doppelnamen âReich-Ranickiâ zu verwenden, was er, ohne zu zĂśgern, tat.cite-ref-22[22] Mitglieder der Gruppe 47, Siegfried Lenz und Wolfgang Koeppen, halfen ihm unter anderem, indem sie ihn ihre BĂźcher rezensieren lieĂen. Der Leiter der Literaturredaktion der FAZ, Friedrich Sieburg, setzte bald jedoch Reich-Ranickis Ausscheiden aus der Redaktion durch. Ende 1959 zog Reich-Ranicki mit seiner Frau nach Hamburg-Niendorf. Den bei seiner Schwester Gerda in London gelassenen Sohn Andrzej/Andrew holte er nach Hamburg, wo er in die Internationale Schule gehen konnte. Von 1960 bis 1973 war Reich-Ranicki Literaturkritiker der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. Er hatte dort schon sehr frĂźh das Recht auf Auswahl der BĂźcher durchgesetzt, die er besprechen wollte, wurde aber andererseits niemals zur Teilnahme an den Redaktionskonferenzen eingeladen.
In Hamburg machte er die Bekanntschaft des NDR-Redakteurs Joachim Fest. Als dieser 1973 Mitherausgeber der FAZ wurde, erhielt Reich-Ranicki die Leitung der Literaturredaktion dieser Zeitung. Ab 1986 belastete der von Fest eingeleitete Historikerstreit immer mehr ihr Verhältnis. Bis zum offiziellen Arbeitsende 1988 hatte Reich-Ranicki die Freiheit, alle Autoren, gleich welcher politischen Couleur, im Feuilleton der FAZ zu drucken. Dabei entwickelte er insbesondere ein Engagement fĂźr seine favorisierten Autoren, die er mit nie nachlassender Aufmerksamkeit bedachte. Literarische Verdienste erwarb er sich durch die Redaktion der von ihm begrĂźndeten Frankfurter Anthologie, in der bis heute bereits Ăźber 1500 Gedichte deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit Interpretationen versammelt sind. Daneben hat er beständig Ăźber Jahrzehnte hinweg das Projekt einer Auslese der seiner Meinung nach besten Werke der deutschsprachigen Belletristik vorangetrieben. In der Wochenzeitschrift Der Spiegelcite-ref-23[23] stellte Reich-Ranicki am 18. Juni 2001 unter dem Titel Kanon lesenswerter deutschsprachiger Werke sein Opus Magnum zu diesem Lebensthema vor. Die Anthologien sind unterteilt in âRomaneâ, âEssaysâ, âDramenâ, âErzählungenâ und âGedichteâ, enthalten aber auch die Empfehlung, manches nur im Auszug zu lesen.cite-ref-24[24]
Reich-Ranicki setzte sich fĂźr eine klar verständliche Literaturkritik ein. Seine Devise, so Frank Schirrmacher, lautete: âKlarheit, keine Fremdworte, leidenschaftliches Urteilâ. Sein Anliegen war es, Ăźber die Fachwelt hinaus fĂźr Literatur zu begeistern.cite-ref-schirrmacher-sehr-gro-er-mann-25-0[25]
Gemeinsam mit anderen Literaturfreunden initiierte er 1977 den Ingeborg-Bachmann-Preis, der rasch zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Literaturwettbewerbe und -preise wurde.
Wirkung und Bekanntheit
Durch seine Auftritte im Fernsehen (Das Literarische Quartett, ab 1988) wurde Reich-Ranicki Ăźber die Literaturszene hinaus populär. Nach der VerĂśffentlichung seiner Autobiografie (1999, Verfilmung 2009) fand sein Leben auch unter dem zeitgeschichtlichen Aspekt (Verfolgung und Ăberleben als Jude, Verhältnis zum polnischen Regime) groĂes Ăśffentliches Interesse in Film und Fernsehen (siehe Filmografie). Laut einer Umfrage im Jahr 2010 kannten 98 Prozent der deutschen BevĂślkerung seinen Namen.cite-ref-26[26]
Professuren
1968 und 1969 lehrte er an amerikanischen Universitäten, 1971 bis 1975 hatte er eine Gastprofessur in Stockholm und Uppsala inne. 1974 erhielt er die Stelle eines Honorarprofessors an der Eberhard Karls Universität Tßbingen, 1990 die Heinrich-Heine-Gastprofessur an der Heinrich-Heine-Universität Dßsseldorf und 1991 die Heinrich-Hertz-Gastprofessur der Universität Karlsruhe.
Das Literarische Quartett
Vom 25. März 1988 bis zum 14. Dezember 2001 leitete Reich-Ranicki die Sendung Das Literarische Quartett im ZDF, mit der er bei einem grĂśĂeren Publikum einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte. Die Sendung zeichnete sich durch eine lebhafte und kontroverse Diskussionskultur aus. In Fachkreisen war er auch vor dieser Sendung längst als âLiteraturpapstâ bekannt und galt als der einflussreichste deutschsprachige Literaturkritiker der Gegenwart.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]cite-ref-hage-denkmal-29-0[29] Sein Einfluss durch das Literarische Quartett steht im Mittelpunkt des SchlĂźsselromans Tod eines Kritikers von Martin Walser.
Rede im Deutschen Bundestag
â
Hauptartikel
:
Marcel Reich-Ranickis Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Am 27. Januar 2012 hielt Reich-Ranicki im Deutschen Bundestag als Zeitzeuge die Hauptrede zum Holocaust-Gedenktag. Er schilderte, wie er als Ăbersetzer des âJudenratsâ im Warschauer Ghetto den ersten Tag der Deportationen ins Vernichtungslager Treblinka erlebte.cite-ref-rede2012i-6-1[6]cite-ref-30[30] Das Seminar fĂźr Allgemeine Rhetorik der Universität TĂźbingen wĂźrdigte den Vortrag mit der Auszeichnung Rede des Jahres.cite-ref-rede2012ii-31-0[31]
Privatleben, Familie
Reich-Ranicki lebte zuletzt in Frankfurt-Dornbusch. Seine Frau Teofila starb am 29. April 2011 im Alter von 91 Jahren.cite-ref-32[32] Beider Sohn Andrzej (später Andrew Ranicki) war Professor fßr Mathematik (Topologie) an der Universität Edinburgh und starb 2018 mit 69 Jahren in Edinburgh. Der britische Maler Frank Auerbach war Reich-Ranickis Cousin.
Zu Beginn seiner Autobiographie schreibt Reich-Ranicki, dass er âkein eigenes Land, keine Heimat und kein Vaterlandâ hat. Seine Heimat sei im Letzten die Literatur gewesen.cite-ref-33[33]
Reich-Ranicki war Atheist. In einer Fernsehdokumentation des Jahres 2006 erklärte er: âGott ist eine literarische Erfindung. Es gibt keinen Gott. [âŚ] Ich kenne keinen. Hab ihn nie gekannt. Nie in meinen Leben!âcite-ref-34[34]cite-ref-35[35] Religion beschrieb er als âeine Brille, die den Blick auf die Wirklichkeit trĂźbt, die bittere Realitäten hinter einem milden Schleier verschwinden lässtâ.cite-ref-36[36]
Tod
Am 26. September 2013 fand fßr Familie, Freunde und Weggefährten eine Trauerfeier auf dem Frankfurter Hauptfriedhof statt. An ihr nahmen zahlreiche Gäste teil. Bundespräsident Joachim Gauck legte einen Kranz nieder, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hielt eine Ansprache, und auch Fernseh-Entertainer Thomas Gottschalk sprach am Sarg Reich-Ranickis. Anwesend waren weiterhin der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzende der Jßdischen Gemeinde Frankfurt am Main Salomon Korn sowie Oberbßrgermeister Peter Feldmann und die ehemalige Oberbßrgermeisterin Petra Roth.cite-ref-39[39] Das Grab Marcel Reich-Ranickis und seiner Frau befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof (Urnenhain, Gewann XIV 34 UG).
Literaturkritik
Positionen
Reich-Ranicki favorisierte eine realistische Literatur,cite-ref-40[40] wie sie von Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane und Thomas Mann geschrieben wurde. Darßber hinaus schätzte er zwar die kanonischen Werke der Moderne, wie DÜblins Berlin Alexanderplatz oder Kafkas Process,cite-ref-41[41] doch erreichten sie nie die Wertschätzung, gar Bewunderung, die er Thomas Mann und dessen Werk entgegenbrachte. Andererseits scheute er sich nicht, Partei fßr junge Schriftsteller zu ergreifen; so bewunderte der oft als bßrgerlicher Kritiker verstandene Reich-Ranicki das an der Literatur der Moderne angelehnte Werk Tauben im Gras von Wolfgang Koeppen. Die Blechtrommel von Gßnter Grass lernte er erst spät schätzen, während er die Prosa Thomas Bernhards positiv rezensierte, dessen Werke sich gerade durch den Einsatz des inneren Monologs und Bewusstseinsstroms auszeichnen.cite-ref-42[42]
Der avantgardistischen Literatur stand er oft reserviert gegenĂźber und betonte, dass sich diese schnell Ăźberleben werde. Sein Kanon enthält weder den Dichter Hugo Ball noch dessen Karawane, ein SchlĂźsselgedicht des Dadaismus. Auch Hans Arp ist mit seinen eher traditionellen Gedichten enthalten, Kurt Schwitters Ursonate oder An Anna Blume mussten ausgerechnet einer parodistischen Ballade weichen. In seinem Essayband Sieben Wegbereiter akzeptierte er zwar die literarische Bedeutung der Avantgardisten Alfred DĂśblin und Robert Musil, vergaĂ aber dabei seine distanzierte Haltung zu ihnen nicht. AuĂer Berlin Alexanderplatz seien die Romane DĂśblins gänzlich unlesbar und Musil ein gescheiterter Erzähler,cite-ref-43[43] dessen Hauptwerk Der Mann ohne Eigenschaften maĂlos Ăźberschätzt worden sei.cite-ref-44[44] Ein ähnliches Urteil galt Arno Schmidt.cite-ref-45[45] Neuere StrĂśmungen wie der Nouveau roman fanden ebenfalls nicht sein Gefallen.
In der deutschen Lyrik schätzte er besonders jene Dichter, die Intelligenz und Poesie zu vereinen wussten,cite-ref-46[46] womit er die einseitige Seher- und Priesterrolle eines HÜlderlin oder Rilke genauso ablehnte wie die radikalen Anhänger der engagierten Literatur. Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Bertolt Brecht zählte er zu jenen Dichtern deutscher Sprache, denen diese Synthese vortrefflich gelungen sei. Auch hielt er wenig von einer feministischen Literaturwissenschaft oder dem Sozialistischen Realismus.cite-ref-47[47]
Reich-Ranicki bewegte sich auch auĂerhalb der Hochliteratur. Er rezensierte Das Parfum von Patrick SĂźskind und bekannte sich dazu, einen Kriminalroman wie Der Richter und sein Henker von Friedrich DĂźrrenmatt gerne fĂźr den Ingeborg-Bachmann-Preis vorzuschlagen. Die Trivialliteratur fand indes nicht seine Anerkennung, doch zog er die Auseinandersetzung der pauschalen Abwertung vor: âIch habe zu zeigen versucht, wie diese Romane gemacht sind und dass ihr Erfolg durchaus kein Zufall war.âcite-ref-48[48] Von Genre-Literatur wie Science-Fiction und Fantasy hielt Reich-Ranicki wenig, ohne sich aber je umfassend mit ihr beschäftigt zu haben; insbesondere von der Science-Fiction glaubte er, dass ihre VorzĂźge âmit Kunst nichts zu tunâ hätten.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]
Einzelkritiken zu zeitgenĂśssischen Autoren
GĂźnter Grass
Die Blechtrommel kritisierte Reich-Ranicki zuerst als Ăźberdurchschnittliches, aber nicht bedeutendes Werk. Seine Rezension âAuf gut GlĂźck getrommeltâcite-ref-51[51] revidierte er 1963 unter dem Titel âSelbstkritik eines Kritikersâ.cite-ref-52[52] Die Novelle Katz und Maus sowie die Erzählung Das Treffen in Telgte erfuhren sein Lob, während die Romane Der Butt, Die Rättin und besonders Ein weites Feld scharf kritisiert wurden. Die Lyrik des Autors beurteilte er weitaus positiver als die sonstige Literaturkritik.
Heinrich BĂśll
Reich-Ranicki protegierte Heinrich BÜll, um ihn als Repräsentant der deutschen Nachkriegsliteratur gegen Gerd Gaiser durchzusetzen. Gerade konservative Literaturkritiker wie Hans Egon Holthusen und Friedrich Sieburg sahen im ehemaligen NSDAP-Mitglied Gaiser den fßhrenden Literaten der BRD, wogegen Reich-Ranicki und Walter Jens anderer Auffassung waren. Ursprßnglich betrachtete er Wolfgang Koeppen als bedeutendsten Romancier, doch dieser verÜffentlichte nur spärlich. Während Reich-Ranicki literarisch die Romane BÜlls fßr unbedeutend hielt, beurteilte er die Kurzgeschichten Der Mann mit den Messern, Wiedersehen in der Allee, Wanderer, kommst du nach Spa⌠sowie die satirische Erzählung Doktor Murkes gesammeltes Schweigen positiv.cite-ref-53[53]
Martin Walser
Insgesamt bewertete er Martin Walsers Werk äuĂerst kritisch. Während er den Romanen mangelnde erzählerische Kraft vorwarf, schätzte Reich-Ranicki die Novelle Ein fliehendes Pferd als Walsers bedeutendstes Werk ein. Nach Walsers SchlĂźsselroman Tod eines Kritikers diagnostizierte der Kritiker den âtotalen Zusammenbruch eines Schriftstellers, eines Talents und wohl auch einer PersĂśnlichkeitâ.cite-ref-54[54]
Thomas Bernhard
Thomas Bernhard, GĂźnter Grass und Wolfgang Koeppen galten dem Kritiker als die wichtigsten Prosa-Talente nach 1945.cite-ref-55[55] Er definierte Bernhard als AuĂenseiter innerhalb der deutschen Literatur, dessen Romane und Erzählungen sich besonders sprachlich auszeichnen wĂźrden. Das dramatische Werk begriff er als âHalbfabrikateâ, deren Realisierung nur Claus Peymann gelungen sei.
Max Frisch und Friedrich DĂźrrenmatt
Max Frischs Bedeutung lag nach Reich-Ranicki in der Prosa. Er sah die drei Romane Stiller, Homo faber und Mein Name sei Gantenbein sowie einzelne Passagen aus dem literarischen Tagebuch als grĂśĂte schriftstellerische Leistung des Schweizers. Frischs Erzählung Montauk nahm er in seinen 20-bändigen Romankanon auf. Hingegen betrachtete er Friedrich DĂźrrenmatts Romane als gelungene Unterhaltungsliteratur; mit Ausnahme der Erzählung Die Panne habe DĂźrrenmatt keine hochliterarische Prosa von Bedeutung geschaffen. Ranicki vertrat hier eine Minderheitsmeinung innerhalb der deutschen Literaturkritik,cite-ref-56[56] die DĂźrrenmatt einzig als Dramatiker verstanden wissen wollte. Reich-Ranicki befand die Dramen Der Besuch der alten Dame und Die Physiker als bedeutendste Werke des Autors, das erstere nahm er neben der Erzählung in seinen Kanon auf.
Elfriede Jelinek und Peter Handke
Reich-Ranicki urteilte Ăźber die Ăśsterreichische Schriftstellerin: âDas literarische Talent der Elfriede Jelinek ist, um es vorsichtig auszudrĂźcken, eher bescheiden. Ihre Dramen sind unauffĂźhrbar. Ein guter Roman ist ihr nie gelungen, beinahe alle sind mehr oder weniger banal oder oberflächlich.âcite-ref-57[57]
Auch Peter Handke erfuhr eine negative Einschätzung. Reich-Ranicki wollte die Bedeutung Handkes allein auf sein Image reduziert wissen.cite-ref-58[58] Dennoch nahm er Handkes Erzählung Das Umfallen der Kegel von einer bäuerlichen Kegelbahn in seinen Kanon auf.
Wolfgang Koeppen, Hermann Burger, Ulla Hahn und Ingeborg Bachmann
Tauben im Gras von Wolfgang Koeppen war fĂźr Reich-Ranicki einer der grĂśĂten Romane nach 1945. Er unterstĂźtzte Koeppen durch Aufträge und sammelte sogar Spenden.cite-ref-59[59] Den Schweizer Hermann Burger protegierte er, ähnlich wie Ulla Hahn, sodass einige Kritiker ihm vorwarfen, es seien gänzlich SchĂśpfungen des Kritikers.cite-ref-60[60] Reich-Ranicki hielt Ulla Hahn fĂźr die wichtigste Repräsentantin der Neuen Subjektivität, wogegen er Ingeborg Bachmann als bedeutendste Dichterin nach 1945 anerkannte.
Kritik an Reich-Ranicki
Der emotionale Einsatz in seinen Kritiken, die teils rigorosen Urteile und der aufklärerische Impetus, die nicht nur das Werk, sondern auch den Autor betrafen, erregten die Ablehnung zahlreicher Schriftsteller. Rolf Dieter Brinkmann sagte zu Reich-Ranicki in einer Podiumsdiskussion 1968: âWenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre, wĂźrde ich Sie jetzt Ăźber den Haufen schieĂenâ.cite-ref-61[61] Peter Handke sagte in einem Interview mit AndrĂŠ MĂźller, dass er es nicht bedauern wĂźrde, wenn Reich-Ranicki sterben wĂźrde.cite-ref-62[62] Elfriede Jelinek bezeichnete Reich-Ranickis ĂuĂerung, sie (Jelinek) sei zwar eine tolle Frau, aber ein gutes Buch sei ihr nicht gelungen, als âgrĂśĂte DemĂźtigungâ und âVerachtung.âcite-ref-63[63] GĂźnter Grass sagte, Reich-Ranicki habe âdie Trivialisierung der Kritik herbeigefĂźhrtâ und sei ein âschwacher Literaturkritikerâ.cite-ref-64[64] Als Generalabrechnung mit Reich-Ranicki gilt Martin Walsers Roman Tod eines Kritikers.
Einige Kollegen urteilten nicht minder scharf. Als â[d]as selbstgerechte, wahllos wĂźtende HaĂgebrĂźll des entfesselten KulturspieĂersâcite-ref-65[65] kommentierte Andreas Kilb eine ĂuĂerung Ranickis. Wenige Wochen nach seinem Tod protestierte Michael Scharang gegen das Ăśffentliche Urteil, es habe sich bei Ranicki um den grĂśĂten Literaturkritiker des Landes gehandelt. Denis Scheck meinte: âEr war nicht immer der hellste, aber immer der amĂźsanteste Kritiker seiner Generation.âcite-ref-66[66]
Ehrungen und Auszeichnungen
EhrendoktorwĂźrden
Folgende Universitäten zeichneten Reich-Ranicki als Ehrendoktor aus:
⢠Universität Uppsala (1972)
⢠Universität Augsburg (1992)
⢠Otto-Friedrich-Universität Bamberg (1992)
⢠Heinrich-Heine-Universität Dßsseldorf (1997)
⢠Universität Utrecht (2001)
⢠Ludwig-Maximilians-Universität Mßnchen (2002)
⢠Freie Universität Berlin (2006)
⢠Universität Tel Aviv (2006)
⢠Humboldt-Universität zu Berlin (2007)
Im Jahr 2006 entschied die Humboldt-Universität zu Berlin, Reich-Ranicki die Ehrendoktorwßrde zu verleihen. Der Universitätspräsident erklärte, die Humboldt-Universität wolle sich damit als Rechtsnachfolgerin der Friedrich-Wilhelms-Universität, die Reich-Ranicki das Studium aufgrund seiner jßdischen ReligionszugehÜrigkeit verwehrt hatte, im Vorfeld ihres zweihundertjährigen Jubiläums zu ihrer historischen Verantwortung und Schuld bekennen. Die Verleihung fand am 16. Februar 2007 statt.cite-ref-67[67]
Weitere Auszeichnungen
⢠1946: Silbernes und Goldenes Verdienstkreuz (Polen)cite-ref-68[68]
⢠1981: Ricarda-Huch-Preis
⢠1986: GroĂes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
⢠1987: Thomas-Mann-Preis
⢠1989: Bambi-Kulturpreis
⢠1990: Hessischer Verdienstorden
⢠1991: Bayerischer Fernsehpreis
⢠1991: Hermann-Sinsheimer-Preis fßr Literatur und Publizistik
⢠1992: Wilhelm-Leuschner-Medaille
⢠1995: Ludwig-BÜrne-Preis
⢠1996: Cicero-Rednerpreis
⢠1999: Hessischer Kulturpreis
⢠2000: Friedrich-HÜlderlin-Preis der Stadt Bad Homburg und Samuel-Bogumil-Linde-Preis
⢠2000: Goldene Kamera
⢠2002: Goethepreis der Stadt Frankfurt
⢠2003: GroĂes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschlandcite-ref-69[69]
⢠2005: Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalencite-ref-70[70]
⢠2007: Namenspatron eines Lehrstuhls fßr deutsche Literatur an der Universität Tel Aviv. Einweihung im März 2007 im Frankfurter RÜmer.cite-ref-71[71]cite-ref-72[72] Seit 2008 hat der Lehrstuhl (englisch Marcel Reich-Ranicki Chair) ungefähr jährlich einen Vortrag an der Universität Tel Aviv veranstaltet, zuletzt 2018.cite-ref-73[73]
⢠2008: Henri-Nannen-Preis fßr sein journalistisches Lebenswerkcite-ref-74[74]
⢠2010: Offizier im Orden von Oranien-Nassau
⢠2010: Ludwig-BÜrne-Medaille
⢠2011: Internationaler Mendelssohn-Preis zu Leipzig (Kategorie: Gesellschaftliches Engagement)cite-ref-75[75]
⢠2012: Berliner Bär
⢠2012: Rede des Jahres, Auszeichnung fßr Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismuscite-ref-rede2012ii-31-1[31]
Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises
FĂźr sein Lebenswerk und seine Sendung Das Literarische Quartett sollte Reich-Ranicki am 11. Oktober 2008 der Deutsche Fernsehpreis verliehen werden. Unter spontanem Hinweis auf den âBlĂśdsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen habenâ, lehnte er die Auszeichnung ab.cite-ref-76[76]cite-ref-77[77]cite-ref-78[78] Moderator Thomas Gottschalk bot Reich-Ranicki daraufhin eine einstĂźndige Diskussionsrunde zur Qualität des deutschen Fernsehens zusammen mit den Intendanten von ARD, ZDF und RTL an, die er annahm. Hieraus ging ein Gespräch zwischen Gottschalk und Reich-Ranicki hervor â ohne Beteiligung weiterer Personen; die zuvor von Gottschalk angesprochenen Intendanten verzichteten auf ihre Teilnahme. Das ZDF strahlte die in Wiesbaden aufgezeichnete, halbstĂźndige Sendung Aus gegebenem Anlass am 17. Oktober 2008 im späten Abendprogramm aus.cite-ref-79[79]
Berliner Gedenktafel
Am 12. September 2014 wurde am Gebäude GĂźntzelstraĂe 53 in Berlin-Wilmersdorf eine Berliner Gedenktafel enthĂźllt. In diesem Haus hatte Reich-Ranicki von 1934 bis 1938 gelebt.
Reich-Ranicki-Platz in Frankfurt am Main
Am 13. Dezember 2025 wurde in einem Festakt der Platz vor dem Saalbau Dornbusch an der Eschersheimer LandstraĂe/ Ecke Marbachweg im Beisein von OberbĂźrgermeister Mike Josef und Kulturdezernentin Ina Hartwig feierlich auf den Namen Reich-Ranicki-Platz getauft. Dies geschah in Erinnerung an das Ehepaar Teofila und Marcel Reich-Ranicki. Auf dem Platz steht ein Ăffentlicher BĂźcherschrank.cite-ref-80[80]
Schaffen
Schriften (Auswahl)
⢠Literarisches Leben in Deutschland. Kommentare und Pamphlete. Mßnchen, Piper Verlag 1963.
⢠Deutsche Literatur in West und Ost. Piper, Mßnchen 1963.
⢠Wer schreibt provoziert. Pamphlete und Kommentare. dtv, Mßnchen 1966.
⢠Literatur der kleinen Schritte. Deutsche Schriftsteller heute. Piper, Mßnchen 1967.
⢠Die Ungeliebten. Sieben Emigranten. Gßnther Neske, Pfullingen 1968.
⢠In Sachen BÜll. Ansichten und Einsichten. Kiepenheuer & Witsch, KÜln 1968.
⢠Lauter Verrisse. Piper Mßnchen 1970.
⢠auch: dtv, Mßnchen 1993, ISBN 3-423-11578-5.
⢠Lauter Lobreden. DVA 1985, ISBN 978-3-421-06282-6.
⢠Ăber RuhestĂśrer. Juden in der deutschen Literatur. Piper, MĂźnchen 1973.
⢠erweiterte 2. Auflage: dtv, Mßnchen 1993, ISBN 3-421-06491-1.
⢠Nachprßfung. Aufsätze ßber deutsche Schriftsteller von gestern. Piper, Mßnchen 1977.
⢠Entgegnung. Zur deutschen Literatur der siebziger Jahre. DVA, Mßnchen 1981.
⢠Thomas Mann und die Seinen. DVA, Mßnchen 1987, ISBN 3-421-05864-4.
⢠Herz, Arzt und Literatur. Zßrich 1987.
⢠Der doppelte Boden. Ein Gespräch mit Peter von Matt. Ammann, Zßrich 1992.
⢠Die Anwälte der Literatur. DVA, Mßnchen 1994, ISBN 3-423-12185-8.
⢠Ungeheuer oben. Ăber Bertolt Brecht. Aufbau-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-932017-48-X.
⢠Der Fall Heine. DVA, Mßnchen 1997, ISBN 3-421-05109-7.
⢠auch: dtv, Mßnchen 2000, ISBN 3-423-12774-0.
⢠auch in niederländischer Ăbersetzung.
⢠Sieben Wegbereiter. Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. DVA, Mßnchen 2002, ISBN 3-421-05514-9.
⢠Goethe noch einmal. Reden und Anmerkungen. DVA, Mßnchen 2002, ISBN 3-421-05690-0.
⢠Meine Bilder. Porträts und Aufsätze. DVA, Mßnchen 2003, ISBN 3-421-05619-6.
⢠Lauter schwierige Patienten. Gespräche mit Peter Voà ßber Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. List Verlag, Mßnchen 2003, ISBN 3-548-60383-1.
⢠Unser Grass. DVA, Mßnchen 2003, ISBN 3-421-05796-6.
⢠Vom Tag gefordert. Reden in deutschen Angelegenheiten. dtv, Mßnchen 2003, ISBN 3-423-13145-4.
⢠Wir sitzen alle im gleichen Zug. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-458-19239-5.
Autobiographie
⢠Mein Leben. DVA, Mßnchen 1999, ISBN 3-423-13056-3. Lizenzausgabe in der Spiegel-Edition 2006/2007 (Nr. 40), mit einem Nachwort von Volker Hage, ISBN 978-3-87763-040-2. Deutscher Taschenbuch Verlag, Mßnchen 2000, ISBN 3-423-12830-5.
⢠Mein Leben â Auswahlband fĂźr die Schule. Herausgegeben und kommentiert von Volker Hage. Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂźnchen 2005, ISBN 978-3-423-13327-2.
Als Herausgeber
⢠Auch dort erzählt Deutschland. Prosa von âDrĂźbenâ. Paul List Verlag, MĂźnchen 1960.
⢠16 polnische Erzähler. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1962.
⢠Erfundene Wahrheit. Deutsche Geschichten seit 1945. Piper, Mßnchen 1965.
⢠Gesichtete Zeit. Deutsche Geschichten 1918â1933. Piper, MĂźnchen 1969.
⢠Anbruch der Gegenwart. Deutsche Geschichten 1900â1918. Piper, MĂźnchen 1971.
⢠Verteidigung der Zukunft. Deutsche Geschichten seit 1960. Piper, Mßnchen 1972.
⢠Frankfurter Anthologie. Insel Verlag, Frankfurt 1978â2010 [33 Einzelbände].
⢠1000 Deutsche Gedichte und ihre Interpretationen. Insel, Frankfurt a. M. 1995. Zehn Bände [Anthologie mit Interpretationstexten].
⢠1400 Deutsche Gedichte und ihre Interpretationen. Chronologisch von Walther von der Vogelweide bis Durs Grßnbein. Insel, Frankfurt 2002, ISBN 3-458-17130-4. [ZwÜlf Bände; Anthologie mit Interpretationstexten].
⢠Meine Gedichte von Walther von der Vogelweide bis heute. Insel, Frankfurt a. M. und Leipzig 2003, ISBN 978-3-458-17151-5.
⢠Romane von gestern â heute gelesen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1996. [Drei Bände; 1900â1918; 1918â1933; 1933â1945].
⢠Meine Geschichten. Von Johann Wolfgang von Goethe bis heute. Insel, Frankfurt a. M. 2003, ISBN 3-458-17166-5 [Anthologie].
⢠Der Kanon. Die deutsche Literatur. Erzählungen. 10 Bände und ein Begleitband. Insel, Frankfurt 2003, Schuber, ISBN 3-458-06760-4.
⢠Der Kanon. Die deutsche Literatur. Dramen. 8 Bände und ein Begleitband. Insel, Frankfurt 2004, Schuber, ISBN 3-458-06780-9.
⢠Der Kanon. Die deutsche Literatur. Gedichte. 7 Bände und ein Begleitband. Insel, Frankfurt 2005, Schuber, ISBN 3-458-06785-X.
⢠Der Kanon. Die deutsche Literatur. Essays. 5 Bände und ein Begleitband. Insel, Frankfurt 2006, Schuber, ISBN 3-458-06830-9.
HĂśrbĂźcher
⢠Links bßndig, rechts flatternd. Robert Gernhardt trifft Marcel Reich-Ranicki. Mitschnitt vom Internationalen Literaturfest Lit.Cologne. Produktion: WDR, Random House Audio, KÜln 2008, 1 CD, ISBN 978-3-86604-976-5
⢠Marcel Reich-Ranicki liest Thomas Mann und die Seinen. Versuche ßber die Liebe. Autorenlesung. Produktion: Hessischer Rundfunk / hr2, Der Audio-Verlag, Berlin 2005, 2 CDs, 154 Min., ISBN 3-89813-455-5
⢠HÜrkanon. Die deutsche Literatur. Erzählungen Herausgegeben und kommentiert von Marcel Reich-Ranicki, Random House Audio, KÜln 2010, 40 CDs, 2800 Min., ISBN 978-3-8371-0395-3
⢠Marcel Reich-Ranicki. Mein Leben. Original-HÜrfassung zur TV-Verfilmung nach der gleichnamigen Autobiografie Bellerive HÜrverlag, Berlin 2012, 1 CD, 70 Min., ISBN 978-3-941621-03-9
Fernsehreihen
⢠Das literarische Kaffeehaus (1964â1967)cite-ref-81[81]
⢠Das Literarische Quartett (1988â2001)
⢠Reich-Ranicki Solo (2002)cite-ref-82[82]
⢠Lauter schwierige Patienten (erstmals 2001)
⢠Was taugen unsere Klassiker? (erstmals 2005)
Nachlass
Der Nachlass von Marcel Reich-Ranicki liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach.cite-ref-83[83] Teile davon sind im Literaturmuseum der Moderne in Marbach in der Dauerausstellung zu sehen.
In den Jahren 2010 bis 2020 befanden sich Teile des Archivs von Reich-Ranicki in einer von Thomas Anz initiierten und betreuten âArbeitsstelle Marcel Reich-Ranicki fĂźr Literaturkritik in Deutschlandâ an der Philipps-Universität Marburg. Im Mai 2020 wurde der dortige Nachlassbestand in das Deutsche Literaturarchiv Marbach verlagert, dem Reich-Ranicki schon zu Beginn der 2000er Jahre den grĂśĂten Teil seines Archivs Ăźbereignet hatte.cite-ref-84[84]
Filmografie
⢠1987: Der Literaturpapst. Auseinandersetzungen mit dem Kritiker Marcel Reich-Ranicki. Dokumentation, ARD, 100 Min., Buch und Regie: Martin Lßdke und Pavel Schnabel. Erstsendung: 28. April 1987.
⢠2000: Herrrlich! Grrrässlich! Die groĂe Marcel Reich-Ranicki-Nacht. Dokumentation, ZDF, 180 Min. Zusammengestellt von Stephan Reichenberger und Alex RĂźhle. Erstsendung: 2./3. Juni 2000.
⢠2000: Der Literaturpapst. Marcel Reich-Ranicki. ZDF, 60 Min., Film von Reinhold Jaretzky und Roger Willemsen.
⢠2004: Marcel Reich-Ranicki. Mein Leben. Dokumentation, arte, 43 Min., Film von Diana von Wrede. Erstsendung: 21. August 2004.
⢠2005: Der Herr der Bßcher. Marcel Reich-Ranicki. ZDF, 60 Min., Buch und Regie: Reinhold Jaretzky.
⢠2006: Ich, Reich-Ranicki. Dokumentation, ZDF, 105 Min., Buch und Regie: Lutz Hachmeister und Gert Scobel. Erstsendung: 13. Oktober 2006 (Besprechung in Spiegel Onlinecite-ref-hage-denkmal-29-1[29], FAZcite-ref-85[85] und Berliner Zeitungcite-ref-86[86])
⢠2009: Mein Leben â Marcel Reich-Ranicki. Fernsehfilm, WDR, 90 Min. Buch: Michael Gutmann, Regie: Dror Zahavi, Produktion: Katharina Trebitsch. Erstsendung: arte, 10. April 2009. Darsteller Matthias SchweighĂśfer (M. Reich-Ranicki), Katharina SchĂźttler (Teofila Reich-Ranicki).cite-ref-87[87]
⢠2009: Eine Begegnung mit Marcel Reich-Ranicki. Dokumentation, WDR, 30 Min., Buch und Regie: Mathias Haentjes. Erstsendung: 15. April 2009.
Literatur
Biografie
⢠Volker Hage und Mathias Schreiber: Marcel Reich-Ranicki. Kiepenheuer & Witsch, KĂśln 1995, ISBN 3-462-02365-9; Reprint: ISBN 978-3-462-40242-1. Aktualisierte Taschenbuchausgabe: Marcel Reich-Ranicki â Ein biographisches Porträt. dtv, MĂźnchen 1997, ISBN 3-423-12426-1
⢠Frank Schirrmacher: Marcel Reich-Ranicki. Sein Leben in Bildern. Eine Bildbiographie. DVA, Mßnchen 2001, ISBN 3-421-05320-0 (288 S., 286 s/w Abb., Leinen).
⢠Thomas Anz: Marcel Reich-Ranicki. dtv, Mßnchen 2004, ISBN 3-423-31072-3 (192 S., zahlr. meist farbige Abb.).
⢠Uwe Wittstock: Marcel Reich-Ranicki. Geschichte eines Lebens. Blessing, Mßnchen 2005, ISBN 3-89667-274-6 (288 S., 70 Abb.), Besprechung:cite-ref-j-hner-8-1[8]
⢠Marcel Reich-Ranicki im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
⢠Uwe Wittstock: Marcel Reich-Ranicki â Die Biografie, Piper Verlag, MĂźnchen, 2020, ISBN 978-3-492-31432-9
Lebensabschnitte
⢠Sabine Gebhardt-Herzberg: Das Lied ist geschrieben mit Blut und nicht mit Blei: Mordechaj Anielewicz und der Aufstand im Warschauer Ghetto. Selbstverlag, ISBN 3-00-013643-6 (250 S.; enthält ein Kapitel Ăźber Reich-Ranickis Flucht aus dem Warschauer Ghetto und die Rolle des sogenannten âJudenratesâ, fĂźr den er tätig war).
⢠Gerhard Gnauck: Wolke und Weide. Marcel Reich-Ranickis polnische Jahre. Klett-Cotta, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-608-94177-7 (311 S.), Leseprobe, Besprechungcite-ref-88[88]
⢠Teofila Reich-Ranicki, Hanna Krall: Es war der letzte Augenblick. Leben im Warschauer Ghetto. Aquarelle und Texte. DVA, Stuttgart / Mßnchen 2000, ISBN 3-421-05415-0 (120 S., farbig, gebunden).
⢠E-Book: Hrsg. Hubert Spiegel: Marcel Reich-Ranicki und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. www.faz-archiv-shop, 2013.
⢠Carsten Heinze: Identität und Geschichte in autobiographischen Lebenskonstruktionen â JĂźdische und nichtjĂźdische Vergangenheitsbearbeitungen in Ost- und Westdeutschland. VS Verlag fĂźr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15841-9.
Begegnungen, Fest- und Preisreden, Briefwechsel
⢠Golo Mann, Marcel Reich-Ranicki: Enthusiasten der Literatur â Ein Briefwechsel, Aufsätze und Porträts. Hrsg. von Volker Hage. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-10-062813-6
⢠Hubert Spiegel (Hrsg.): Begegnungen mit Marcel Reich-Ranicki. it 3145, Insel-Vlg., Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-458-34845-X.
⢠Thomas Anz (Hrsg.): Die Literatur, eine Heimat â Reden Ăźber und von Marcel Reich-Ranicki. DVA, MĂźnchen 2008, ISBN 978-3-421-04380-1.
⢠Marcel Reich-Ranicki, Peter Rßhmkorf: Der Briefwechsel. Hrsg. von C. Hilse und S. Opitz. Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung in Verbindung mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach. Wallstein, GÜttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1620-1.
⢠Jßrgen Klein: Dialog mit Koeppen. Wilhelm Fink, Leiden / Boston / Singapur / Paderborn 2017, ISBN 978-3-7705-6211-4.
⢠Paul Assall: Ich schreibe unentwegt ein Leben lang - Marcel Reich-Ranicki im Gespräch. Piper Verlag, Mßnchen 2020, ISBN 978-3-492-31643-9.
Weblinks
Commons
: Marcel Reich-Ranicki
â Sammlung von Bildern
Wikiquote: Marcel Reich-Ranicki
â Zitate
Wikinews: Marcel Reich-Ranicki
â in den Nachrichten
⢠Literatur von und ßber Marcel Reich-Ranicki im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Werke von und ßber Marcel Reich-Ranicki in der Deutschen Digitalen Bibliothek
⢠Marcel Reich-Ranicki in der Artikelsammlung des Innsbrucker Zeitungsarchivs
⢠Marcel Reich-Ranicki bei IMDb
⢠Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Marcel Reich-Ranicki bei Perlentaucher
⢠Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Joachim Fest, in der Reihe Zeugen des Jahrhunderts, angelegt im Projekt Gedächtnis der Nation (Interview, Teil 1 â Dauer 1:36:20 h).
⢠Gunter Reus: Marcel Reich-Ranicki, in: NDB-online
⢠Splitternachlass Marcel Reich-Ranicki im Deutschen Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek
Biografien
⢠Marcel Reich-Ranicki bei Whoâs Who Germany, The People-Lexicon
⢠Reich-Ranicki, Marcel. Hessische Biografie. (Stand: 16. Juli 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
⢠Reich-Ranicki, Marcel im Frankfurter Personenlexikon
⢠Marcel Reich-Ranicki und die deutsche Literatur Israelische Nationalbibliothek
⢠Der Literaturpapst. Marcel Reich-Ranicki in Bildern und Selbstzeugnissen. Digitale Ausstellung des Jßdischen Museums Frankfurt bei Google Arts & Culture
Portal
⢠Internetportal Marcel Reich-Ranicki literaturkritik.de, mit Bibliographie
Einzelnachweise
cite-note-uw-11. â Uwe Wittstock: Marcel Reich-Ranicki: Die Biografie. MĂźnchen 2015, S. 24 f.
cite-note-22. â Vgl. dessen Genealogie genealogieonline.nl [1]
cite-note-33. â Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Stolpersteine GĂźntzelstraĂe 53. 6. August 2014, abgerufen am 17. Mai 2021.
cite-note-44. â Markus Hesselmann: Marcel Reich-Ranicki: âIch habe hier mal gewohntâ. In: Der Tagesspiegel. 18. September 2019, archiviert vom Original; abgerufen am 18. Dezember 2022.
cite-note-55. â Philipp Peyman Engel: Liebes GlĂźck. JĂźdische Allgemeine, 14. März 2010.
cite-note-rede2012i-66. â Rede von Marcel Reich-Ranicki zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus auf bundestag.de
cite-note-77. â Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben. S. 272 ff.
cite-note-j-hner-88. â Harald Jähner: Um sein Leben erzählen. In: Berliner Zeitung, 2. Juni 2005.
cite-note-1313. â Die Vergangenheit. In: Spiegel Online. 19. Juni 1994, abgerufen am 17. Oktober 2021.
cite-note-1414. â ÂťEs waren harmlose BerichteÂŤ. In: Spiegel Online. 19. Juni 1994, abgerufen am 17. Oktober 2021.
cite-note-1717. â Jacek syn Alfreda: Marcel Reich-Ranicki â âpapieĹźâ w randze kapitana UB. In: salon24.pl, 18. September 2012.
cite-note-epd-1818. â G.Z.: Besessen. Warum muss Tilman Jens M.R.R. so hartnäckig verfolgen? (Memento vom 27. April 2009 im Internet Archive) In: epd medien, Nr. 67, 28. August 2002.
cite-note-anz-1919. â T.A.: Marcel Reich-Ranicki. Streit um Reich-Ranickis Tätigkeit fĂźr den polnischen Geheimdienst. In: literaturkritik.de, 17. April 2004.
cite-note-2020. â Michael Gotthelf: âIndes, man wollte mich nicht!â In: Neue ZĂźrcher Zeitung, 2. Juni 2014.
cite-note-2222. â Claudia Michels: âJeder wusste, wie er klingtâ In: Frankfurter Rundschau, 19. September 2013.
cite-note-2323. â Volker Hage, Johannes Saltzwedel: Arche Noah der BĂźcher, Der Spiegel, 18. Juni 2001, Nr. 25.
cite-note-2424. â Volker Hage: Literatur muss SpaĂ machen, Der Spiegel, 18. Juni 2001, Nr. 25, Interview
cite-note-schirrmacher-sehr-gro-er-mann-2525. â Frank Schirrmacher: Ein sehr groĂer Mann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. September 2013.
cite-note-2727. â Arno Widmann: Die Geschichte eines Triumphs. Frankfurter Rundschau, 1. Juni 2010
cite-note-2828. â Peter von Matt: Er schreibt fĂźr alle â und weiĂ, wie es geht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juni 2010.
cite-note-hage-denkmal-2929. â Volker Hage: Ein Denkmal fĂźr den Kritiker. In: Spiegel Online, 13. Oktober 2006.
cite-note-3030. â Thorsten Schmitz: Und jetzt? MRR erinnert an das Warschauer Ghetto â und berĂźhrt das deutsche Parlament. Aber wie wird das Gedenken an den Holocaust lebendig bleiben? In: SĂźddeutsche Zeitung, 28. Jan. 2012, S. 3.
cite-note-rede2012ii-3131. â Rede des Jahres rhetorik.uni-tuebingen.de, siehe 2012.
cite-note-3232. â Felicitas von Lovenberg: Der Fels in seiner Brandung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. April 2011.
cite-note-3333. â Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben. S. 11 f. âNie war ich ein halber Pole, nie ein halber Deutscher â und ich hatte keinen Zweifel, dass ich es nie werden wĂźrde.â
cite-note-3434. â Beginn der Dokumentation Ich, Reich Ranicki (2006), Video bei YouTube (1:37 Min.), zum Zitat siehe 0:22 bis 0:40.
cite-note-3535. â Christina Stefan: Der gottlose Literaturpapst (Memento vom 28. Oktober 2007 im Internet Archive), Humanistischer Pressedienst, 16. Oktober 2006.
cite-note-3636. â Das letzte Gespräch mit Reich-Ranicki, Focus Online: âDas Alter ist fĂźrchterlich. Es raubt einem allesâ, abgerufen am 10. März 2022
cite-note-3737. â âIch kämpfe gegen den Krebsâ. SĂźddeutsche Zeitung, 4. März 2013
cite-note-3838. â Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist tot. SĂźddeutsche Zeitung, 18. September 2013
cite-note-3939. â Johan Schloemann: Trauerfeier fĂźr Marcel Reich-Ranicki: In literarischer Gesellschaft, SĂźddeutsche Zeitung, 26. September 2013
cite-note-4040. â Vgl. Timm BoĂmann: Der Dichter im Schussfeld. Geschichte und Versagen der Literaturkritik am Beispiel GĂźnter Grass. Tectum, Marburg 1997, S. 114.
cite-note-4242. â Bianca Theisen: Im Guckkasten des Kopfs. Thomas Bernhards Autobiographie. In: Franziska SchĂśssler und Ingeborg Villinger(Hrsg.): Politik und Medien bei Thomas Bernhard., KĂśnigshausen & Neumann, WĂźrzburg 2002. S. 246â247.
cite-note-4343. â Vgl. Marcel Reich Ranicki: Sieben Wegbereiter. Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. DVA, Stuttgart, MĂźnchen 2002. Das Kapitel Ăźber Robert Musil lautet: Der Zusammenbruch eines groĂen Erzählers
cite-note-4444. â Vgl. Marcel Reich Ranicki: Sieben Wegbereiter. Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. DVA, Stuttgart, MĂźnchen 2002, S. 168. Der Mann ohne Eigenschaften war misslungen und Musil ein tatsächlich ganz und gar gescheiterter Mann.
cite-note-4545. â Vgl. Selfmadeworld in Halbtrauer Die Zeit, 13. Oktober 1967
cite-note-4646. â Vgl. Geistreich, witzig, intelligent Focus, 9. Januar 2006
cite-note-4747. â Vgl. Marcel Reich-Ranicki: Erst leben, dann spielen. Ăber polnische Literatur. Wallstein, GĂśttingen 2002, S. 53.
cite-note-4848. â âIch habe mich nie geirrtâ stern.de, 2. Juli 2006.
cite-note-4949. â Vgl. Fragen Sie Reich-Ranicki. Ein wunderbarer poetischer Zeitkritiker, FAZ, 3. April 2007
cite-note-5050. â Vgl. Fragen Sie Reich-Ranicki. Koeppens Schreibhemmung, FAZ, 25. Oktober 2007
cite-note-5353. â Vgl. Fragen Sie Reich-Ranicki. Wird Heinrich BĂśll seine Zeit Ăźberdauern? FAZ, 28. Mai 2008
cite-note-5454. â Marcel Reich-Ranicki urteilt Ăźber den neuen Roman von Martin Walser. Hamburger Abendblatt, 31. Mai 2003
cite-note-5555. â Marcel Reich-Ranicki bei Lauter schwierige Patienten (8/12), 4. März 2002
cite-note-5656. â Vgl. Fragen Sie Reich-Ranicki. Unbarmherziger Moralist FAZ, 14. November 2006
cite-note-5757. â âMarcel Reich-Ranicki Ăźber Elfriede Jelinekâ. Spiegel, 11. Oktober 2004
cite-note-5858. â Vgl. âFragen Sie Reich-Ranicki. Stärker als sein Werk wirkt sein Imageâ. FAZ, 4. Oktober 2007
cite-note-5959. â Vgl. Asta Scheib: Jeder Mensch ist ein Kunstwerk. Begegnungen. dtv, MĂźnchen 2006. S. 254.
cite-note-6060. â Vgl. Ein leuchtendes Leben. (Memento vom 7. April 2014 im Internet Archive) Deutschlandfunk, 21. September 2013
cite-note-6262. â âIch bin ein Idiot im griechischen Sinneâ. In: profil.at. 1. September 2007, abgerufen am 17. Oktober 2021.
cite-note-6363. â Interview: âIch bin die LiebesmĂźllabfuhrâ. In: profil.at. 27. November 2004, abgerufen am 17. Oktober 2021.
cite-note-6666. â Erinnerungen an Marcel Reich-Ranicki âEin funkenstiebender Aufmerksamkeitsgenerator fĂźr BĂźcherâ. auf boersenblatt.net (20. Juli 2015).
cite-note-6767. â Marcel Reich-Ranicki bekommt Ehrendoktor der Humboldt-Universität verliehen hu-berlin.de
cite-note-6868. â PaweĹ Libera: Marcel Reich-Ranicki przed Centralna KomisjÄ
Kontroli Partyjnej (1950â1957). In: âZeszyty Historyczneâ 2009, Nr. 167. ASSOCIATION INSTITUT LITTĂRAIRE KULTURA, S. 189â190, abgerufen am 22. November 2013 (polnisch).
cite-note-6969. â Staats-Anzeiger, 6/2003, S. 526.
cite-note-7070. â nrw.de: Ministerpräsident JĂźrgen RĂźttgers verleiht den Staatspreis 2005 an den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, 24. Januar 2006
cite-note-7171. â Tel Aviv: Universität benennt Lehrstuhl nach Reich-Ranicki spiegel.de, 6. März 2007
cite-note-7272. â Hans Riebsamen: UnterstĂźtzung fĂźr den Staat Israel faz.net, 6. März 2007.
cite-note-7373. â Previous events Tel Aviv University, The Minerva Institute for German History. â Auf der Website des Instituts gibt es einen MenĂźpunkt zu dem Lehrstuhl (Marcel Reich-Ranicki Chair), der jedoch keine Information enthält (Stand 26. April 2022).
cite-note-7575. â Mendelssohn-Preis fĂźr Reich-Ranicki und Schreier In: Sächsische Zeitung, 7. Juli 2011.
cite-note-7777. â Ehrenpreis nun endgĂźltig abgelehnt, Rheinische Post, 12. Oktober 2008
cite-note-7878. â Marcel Reich-Ranicki lehnt Deutschen Fernsehpreis ab Video auf YouTube (9:09 Min.).
cite-note-7979. â Aus gegebenem Anlass Video der Sendung auf YouTube (28:54 Min.).
cite-note-8080. â Reich-Ranicki-Platz in Frankfurt eingeweiht â Freunde protestieren. Hessenschau, 13. Dezember 2025, 28 Minuten. Moderation: Daniel JohĂŠ. Bericht: Jeannie Lukaszewicz und Eske Hicken. Eine Produktion von hr-Fernsehen
cite-note-8181. â Marcel Reich-Ranicki > Themen > Literaturkritik. Abgerufen am 27. August 2022.
cite-note-8282. â Marcel Reich-Ranicki. Abgerufen am 27. August 2022.
cite-note-8383. â Nachlass Reich-Ranickis geht nach Marbach, Badische Zeitung
cite-note-8484. â Arbeitsstelle Marcel Reich-Ranicki fĂźr Literaturkritik in Deutschland literaturkritik.de
cite-note-8585. â Hubert Spiegel: Niemand anderer als er. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Oktober 2006.
cite-note-8888. â Martin LĂźdke: Der Denkmalsturz bleibt aus. Frankfurter Rundschau, 9. März 2009